Archiv für September 2009

Reisen im Mittelalter – Ansichten des Augustinus

Augustinus von Hippo war einer der wichtigsten Kirchenleherer und Philosophen zwischen Antike und Mittelalter. Sein Wirken umfasste unter anderem die Städte Mailand, Rom und Karthago. Augustinus lebte in der Epoche, in der das Römische Reich im Umbruch war und sich gerade ein Wechsel weg von den Göttern der Antike hin zum Christentum vollzog. Auch zu dieser Zeitr wurde sehr viel gereist, im Normalfall zu Fuß. Privilegierte reisten zu Pferd oder in der Kutsche.
Augustinus Beitrag zu den Reisezitaten wirkt etwas positiver als die Pendants von Laotse und Sokrates, doch an seiner Weisheit besteht kein Zweifel.
„Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“
Aus diesen Sätzen lässt sich ableiten, dass Augustinus eher das reisen in der Kutsche bevorzugte. Zudem spiegelt sich seine Bildung in den Worten wieder, denn das gemeine Volk war des Lesens nicht mächtig. Der Vergleich mit einem Buch wirkt dennoch sehr treffend, da Bücher auch im Mittelalter bereits bunt illustriert waren. Auch ein weiterer Aspekt unterstütz Augustinus Worte. Man kann Bücher über Reisen zwar lesen oder sich von den schönen Bildern darin faszinieren lassen, doch nichts ersetzt das selbstständige Erleben eines fernen Landes. Danach kann man dann auch sein Buch um den eigenen Reisebericht ergänzen.

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Sokrates über die Reise

Auch die antiken Griechen wussten einige Weisheiten zum Thema Reisen beizutragen. Auch zu dieser Zeit waren Reisen meist lang und beschwerlich, vor allem für das einfache Volk. Einer der größten Geister der Menschheit, der griechische Philosoph Sokrates, formulierte es einmal so:
„Was wunderst du dich, dass deine Reisen dir nichts nützen, da du dich selbst mit herumschleppst.“
Sokrates (470 – 399 v. Chr.)
Auch diese Worte lassen sich als Metapher für das gesamte Leben deuten. Viele Menschen unternehmen eine Reise, um sich von den Problemen der Heimat frei zu machen. Oftmals erhoffen sie sich während der Reise neue Erkenntnisse für ihre Sorgen, doch meist sucht man im Urlaub auch heute noch einfach Abstand vom Alltag. Genau darauf wollte Sokrates wahrscheinlich hinaus. Was nützt es, vor seinen Problemen in die Ferne zu fliehen, wenn man es nicht schafft, sie zu hause zu lassen. Heute ist diese Thematik aktueller denn jeh. Bedenkt man den Zunehmenden Druck, unter dem derzeit viele Arbeitnehmer stehen, ist es nicht verwunderlich, dass diese ihre Sorgen auch oft mit auf die Reise nehmen. Stattdessen sollte man wohl lernen, sich in der Ferne auch wirklich vom Zuhase frei zu machen, die Tage mit der Familie zu genießen, sich zu erholen oder einfach einmal den Blickwinkel zu wechseln. Vielleicht hillt dabei ja eine Griechenland Reise.

Der chinesische Philosoph und das Reisen

Beim Surfen durch die Weiten des World Wide Web stößt man immer wieder auf diverse Zitate aus der Menschheitsgeschichte, die das Thema Reisen betreffen. Daran erkennt man, dass das Reisen seit Jahrtausenden nicht nur Vergnügen oder notwendiges Übel darstellt, sondern auch oft auch philosophisch betrachtet wurde. In den folgenden Wochen werde ich mich immer wieder dem Ursprung solcher Zitate widmen und versuchen, deren Bedeutung aus verschiedenen Gesichtspunkten zu beleuchten.
Zwei der größten Reisezitate der Menschheit stammen von dem chinesischen Philosophen Lao Tse (auch Laotse genannt), was übersetzt lediglich „Der Alte“ bedeutet. Etwa 700 Jahre vor Christus sprach er die weisen Worte:

„Eine Reise von tausend Meilen beginnt mit einem einzigen Schritt.“
„Der wahre Reisende hat keinen festgelegten Weg, noch will er an ein Ziel.“

Daraus ergeben sich verschiedene Deutungsmöglichkeiten. Es muss zunächst beachtet werden, dass das Reisen erst seit Beginn der Industriellen Revolution einigermaßen schnell und komfortabel vonstatten geht. Im alten China war eine Reise durch das Land bereits eine Angelegenheit von Wochen. Zudem war unterwegs die Versorgung, zumindest für die einfachen Leute, nicht gesichert. Oftmals musste man sich unterwegs durch Tagelohn seinen Proviant verdienen. Auch dass Laotse von einem einzigen Schritt spricht, ist signifikant. Adelige reisten niemals zu Fuß, sie ritten oder wurden gar auf Sänften getragen. Was Laotse aber wahrscheinlich damit zum AUsdruck bringen wollte, war der Mut, der erforderlich ist, um eine solch lange Reise mit all ihren Risiken und Gefahren erst einmal in Angriff zu nehmen. Zudem stellen die Worte eien Metapher für das Leben selbst dar, was in Kombination mit dem zweiten Zitat sehr in den Vordergrund rückt.
Diese Worte stehen vor allem im Sinne des Taoismus, denn das Buch „Tao Te King“ ist das bekannteste Werk von Laotse. Der Sage nach zog sich der Philosoph aus China zurück, als die öffentlichen Zustände unerträglich wurden. Als er die Grenze erreichte, bat ihn der Grenzbeamte um eine schriftliche Hinterlassenschaft. Daraufhin schrieb Laotse rund 5000 chinesische Zeichen nieder, die als das „Buch vom Sinn und Leben“ bekannt wurden. Danach zog der alte Mann nach Westen und ward nie wieder gesehen. Somit erfüllt er auch selbst seine Weisheiten, denn auch er reiste wohl ohne echtes Ziel in ein fernes Land, in die Ungewissheit.


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